Keine Hoffnung, oder doch?
Sachsen-Anhalt: Eine Wahlbeteiligung von 56,5 Prozent bei einer Landtagswahl kann man auf unterschiedliche Weise interpretieren. Man kann erschrecken, weil sich die Menschen (fast zur Hälfte) von den demokratischen Institutionen abwenden. Und man kann sich freuen, weil sich die Menschen von den demokratischen Institutionen abwenden. Die entscheidende Frage ist, was die Menschen stattdessen tun. Ich fände es gut, wenn sie langsam damit beginnen würden, ihr Leben in die eigene Hand zu nehmen und auf die hilflosen Hilfsangebot des hilflosen, aber dafür umso teureren Staates zu scheißen. Anscheinend erwarten die Leute in Sachsen-Anhalt ja eh nix mehr von der Politik und dem Staat. Ich befürchte allerdings, dass diese Haltung nicht wirklich zu der sozialistischen Versorgungskultur der früheren DDR passt und die Leute zwischen Magdeburg und Halle eher in die entgegengesetzte Richtung tendieren, nämlich vollends zu resignieren.
Real Life, Real Player
Es gibt Dinge im Leben, die will man loswerden, man schmeißt sie weg, wieder und wieder, aber am Ende sind sie immer wieder da. Charaktereigenschaften oder schlechte Angewohnheiten zum Beispiel. Man tut was man kann, aber man kann sich doch nicht wirklich davon befreien. Genauso geht es mir seit Jahr und Tag mit dem Real Player von Real Networks. Es ist ein wirklich - und jeder halbwegs vernunftbegabte Mensch sollte mir Recht geben - unsinniges, aufdringliches, unbedienbares, ärgerliches, von Blinden programmiertes Ding, das ich in den letzten Jahren mindestens ein Dutzend mal von diversen Festplatten und Rechnern gelöscht habe. Mit dem einzigen Resultat, dass er kurze Zeit später wieder da war. Gestern zum Beispiel. Da habe ich gesehen, dass man bei Amazon in die neue Platte der hochverehrten Bonnie Raitt reinhören kann. Hey super, dachte ich, und klickte auf den Link. Und was glauben Sie, was passierte? Richtig, der Real Player öffnete sich wie aus dem Nichts. Ich hätte schwören können, dass ich ihn von der Platte meines kleinen PCs endgültig und erfolgreich verbannt hatte. Aber nein, irgendwo in einer dieser unterirdischen Verzeichniswelten des Herrn Gates hatte noch ein Exemplar überwintert und lachte mir plötzlich mit seiner teuflischen Fratze ins Gesicht. Und als wäre das noch nicht genug, schickte er noch eine Fehlermeldung hinterher, so als würde er mir noch den Stinkefinger dazu zeigen. Ich kann mich nicht daran erinnern, dass mit dem Real Player jemals etwas funktioniert hätte. In den Zeiten, als ich noch hoffnungsvoll und vertrauenselig war, wollte ich schon mal Radio hören darüber oder so etwas ähnliches. Ich schwöre nochmals: Das hat niemals funktioniert. Ob jemals irgend etwas auf dem Real Player funktioniert? Ich möchte es bezweifeln. Nun jedenfalls, Sie können sich denken, was ich gestern Abend gemacht. Ich habe versucht, den Real Player zu löschen. Ich habe so lange gelöscht, bis wirklich kein Fetzen mehr von diesem Teufel zu finden war. Aber ich bin sicher: Schon bald ist er wieder da - genauso wie meine schlechten Angewohnheiten.
Bad News Ville
Da werden gerade wieder ein oder zwei Ex-KollegInnen arbeitslos, 30 sind es wohl insgesamt. Und was man da von Amica so liest stimmt auch nicht gerade optimistisch für den Medienstandort HH. Hört sich eher nach Krise an.
Die Dummheit der Zyniker
Ich weiß nicht, was schlimmer ist. Die Dreistigkeit, mit der die Banken Anleger abzocken, oder die Dummheit, 30 000 E-Mails aufzubewahren, in denen genau das dokumentiert wird. Möglicherweise ist das Allerschlimmste aber, dass man selbst in Verlauf dieses Börsenboom-Wahnsinns verdrängt hat, was man schon immer wusste. Dass nämlich Banker in die gleiche "Piece of shit"-Kategorie gehören wie Makler, Versicherungsfritzen, GEZ-Spitzel, Autoverkäufer und Ex-Stasi-Anwälte-die-heute-Wirtschaftssenator-sind. Man muss sich nur daran erinnern, welche Idioten damals von der Schule in genau diese Jobs gegangen sind.
Nächste Aufgabe: Neuen Job suchen!
Am Anfang dachte man ja noch, mit einem Job in der informationserzeugenden Industrie sei man halbwegs auf der sicheren Seite des Globalisierungsprozesses. Zumindest dort, wo es um die sprachlichen Kernkompetenzen geht, können einem Billigkräfte aus dem erweiterten Hinterhof nicht gefährlich werden. Nun, wie hier zu lesen ist, lauert die Gefahr allerdings ganz woanders. Wissenschaftler der Columbia University haben ein Programm entwickelt, das selbstständig Meldungen durchforstet, anhand irgendwelcher Algorithmen analysiert und am Ende zusammenfasst. Das ganze nennt sich Columbia Newsblaster und ist so etwas wie ein elektronischer News-Redakteur. Wie es heißt, freuen sich schon Hunderte von Online-Redaktionen auf das fertige Produkt. Gar nicht auszudenken, wie das weitergehen wird, wenn erstmal die Sprachverarbeitung soweit ist, dass dich Recherche-Programme anrufen und ausfragen, um die Ergebnisse dann ans Schreibprogramm weiterzuleiten, wo dann die zentrale Chefredaktions-Steuerungseinheit darüber entscheidet, ob der Text jetzt im Agentur-Stil oder doch besser Zeit-gemäß ausgeführt wird. Gar nicht auszudenken ...
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